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Why I’m Not so Fond of Sweden’s Corona Strategy Anymore
Why I’m Not so Fond of Sweden’s Corona Strategy Anymore

Why I’m Not so Fond of Sweden’s Corona Strategy Anymore

Warum ich Schwedens Coronastrategie gar nicht mehr gut finde

Corona ist zweierlei: Anstrengend und nicht leicht loszuwerden. Einerseits ist es verständlich, wenn man nichts mehr davon hören möchte. Andererseits darf man Krankheitssymptome nicht einfach ignorieren und so tun, als wäre nichts.

Zwei entscheidende Monate

Am ersten April veröffentlichte ich ein kleines Video mit möglichen Erklärungen, warum Schwedens Weg im europäischen Vergleich so anders erscheint. Ein Argument war, dass in Schweden “Empfehlungen” reichen, wo es anderswo vielleicht “Verbote” braucht – und es stimmt, abgesehen von einigen Ausnahmen (die ausländische Medien gerne verallgemeinert haben) waren viele Städte und Läden hier ebenso leer wie in anderen Ländern. Ein weiteres Argument war, dass die schwedische Kultur sowieso sozial distanzierter ist als z. B. im Süden Europas, was sich allerdings zum Sommer ändern würde. Auch das ist wahr. Und summer was coming…

Nebenher hat man in den vergangenen zwei Monaten sehr viel über Sars-Cov-2 lernen können. Zum Beispiel,

  • dass die Anzahl täglicher Neuinfektionen in Schweden keiner Kurve folgt, sondern Meereswellen gleicht. Vom 1. April bis zum 31. Mai schwankte sie unaufhörlich zwischen 234 und 812 mit einem Durchschnitt von 543 Neuinfektionen täglich (rund 54 pro Million, Deutschland im gleichen Zeitraum: 22 pro Million).
  • In Schweden sind bis heute fast 4900 Menschen an Covid-19 gestorben, damit halten wir derzeit den 5. Platz der weltweiten Todesliste (nach B, GB, ES und I, Todesfälle pro Million Einwohner).
  • In der Zwischenzeit beobachtet man auch, dass Infizierte mit leichten Symptomen wohl keine Antikörper bilden, die ganze Rechnung mit der Herdenimmunität geht so schnell also gar nicht auf.
  • Obendrein hat die Welt in zwei Monaten viele anschauliche Beispiele entwickelt, an denen man gut studieren kann, was passiert, wenn ein Land rigorose Maßnahmen ergreift (z.B. Finnland, Norwegen, Dänemark, Deutschland oder Neuseeland – übrigens alle von Frauen regiert), oder wenn es zu spät oder gar nicht reagiert (z.B. Italien, Großbritannien, USA oder Brasilien).

Und es war Sommer…

Wie erwartet, lockt verführerisches Sonnenlicht alle Nordlinge aus ihren Höhlen, so magisch wie betörender Sirenengesang die Seefahrer. Hier schützen weder Petersilie in den Ohren noch Regierungsempfehlungen. Anketten müsste man uns hier im Norden, wie damals schon Odysseus.

Es kommt also, wie erwartet: Die sowieso kaum abschwellende Zahl von 543 täglichen Neuinfektionen steigt im Juni (Ø 1.-12.6.) auf unglaubliche 1019. Das ist ein Anstieg um 88% von 54 auf 102 pro Million täglich. Während im Rest Europas die Ziffern trotz steigender Messungen sinken, schießen sie in Schweden gerade durch die Decke. Zum Vergleich: Vom 1. bis 12. Juni steckten sich in Deutschland täglich 4 Menschen pro Million neu an, selbst in den USA sind es “nur” 65. Was jetzt, Schweden?!

Antworten finden wir vielleicht bei einem Blick in die schwedischen Medien. Es wird berichtet, dass die Todesfälle abnehmen, Hochschulen und Universitäten ab 15. Juni wieder geöffnet werden, man ab jetzt wieder frei im Land reisen darf. Alles scheint bestens zu sein. Kaum ein Wort über steigende Coronafälle. Stattdessen wundert man sich, warum zwar alle innerhalb Europas bald wieder reisen dürfen, nur Schweden nicht willkommen sind (Norwegen und Finnland lassen z.B. keine schwedischen Urlauber rein). Was sagt die Gesundheitsbehörde? Deren Aussagen sind so kryptisch und undurchsichtig wie eh und je, gerade so, als sähe man nur den Sand vor Augen, in den man den Kopf gesteckt hat.

Fazit:

Natürlich verstehe ich die Sehnsucht nach Licht und Sommer nur allzu gut, erst recht als jemand, der selbst von Winterdepression betroffen ist. Doch Fehler sind dazu da, um aus ihnen zu lernen. Wenn Schweden im Umgang mit Corona nicht im gleichen Topf wie Johnson, Trump oder Bolsonaro landen will, sollten wir es wie unsere Nachbarn halten und bald eine Frau an die Regierungsspitze setzen.

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