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Mittsommer ist vorbei, und damit nicht nur ein verregnetes Wochenende, sondern auch der gemeinsame Jahresurlaub. Der Umstände wegen war er kurzfristig auf zwei Wochen verkürzt worden. Man konnte ja ohnehin nicht wegfahren. Und trotzdem, eins scheint sich wohl nie zu ändern: Egal wann oder wo wir Urlaub machen, so wird uns jedes Mal gutes Wetter mit nur wenigen Regentagen beschert – ein Muster, das uns selbst jedesmal neu überrascht, gerade so, als wollte Gott uns regelmäßig auch auf diese Weise an seine Liebe und Fähigkeiten erinnern. Manchmal frage ich mich nämlich, warum Gott nicht klarer eingreift in diese Welt, von der ich mich manchmal gerne für die Ferien verabschiede, warum er die Menschen einfach machen lässt, warum er so viel menschliche Zerstörung zulässt. Will er nicht, oder was?! Es fällt mir von Jahr zu Jahr etwas schwerer, einerseits die Zukunft sehen zu können, andererseits die menschliche Unwilligkeit zur Kursänderung sehen zu müssen, ich wünschte, diese beiden Gaben würden mit dem Alter auch etwas verblassen, doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Während meine Augen im Kopf nachlassen, werden die inneren Augen so scharf wie die des Adlers. Da sind zwei warme Urlaubswochen wie eine tägliche Erinnerung, dass Gott eben doch kann und will, vor allem aber liebt er, und deshalb zwingt er ja auch niemand. Der Mensch ist zur Freiheit geschaffen. Also scheint Gottes Sonne auf Babys und Tyrannen gleichermaßen, und sein Regen unterscheidet nicht zwischen arm und reich.

Nach dem kurzen Urlaub werde ich mich wohl wieder neu aufraffen müssen, meine Welt zu verändern, immer weiter neue Ideen zu entwickeln, Menschen zu jener Veränderung zu inspirieren, die sich Nachfolge nennt. Nach so vielen Jahren und Einsätzen, nach so viel Herzblut, aber auch nach ungezählten Ernüchterungen und Rückschlägen fällt mir jedes neue Aufraffen nicht gerade leichter, aber es ist mein Auftrag, und ich muss treu sein. Gleichzeitig sehe ich ein, dass die Hoffnung kein Gefühl, sondern vor allem eine Wahl ist, gerade wie der Glaube und die Liebe. Als Christen wählen wir nämlich täglich neu, am Unmöglichen festzuhalten, weil wir schon immer an das Unmögliche geglaubt haben, nichts Geringeres als volles Vertrauen in Gottes un-Möglichkeiten wird von uns verlangt, Stunde für Stunde, Tag für Tag. Wäre unser Glaube möglich und machbar, dann wäre er nicht mehr nicht von dieser Welt, sondern fügte sich nahtlos in den Einheitsbrei der Religion. Und so wähle ich wieder einmal, mich nicht mit dieser Welt zufrieden zu geben. Mutig nach vorne zu sehen. Den Aufbruch zu einem weiteren Marsch zu wagen. Dieser Blogpost war Teil meiner Vorbereitung.


Featured Photo: Urlaubscocktail (Cocktails mischen ist eine Kunst. Cocktails fotografieren auch.)