God is one. Life is one. Trying to live a meaningful one.
Das US-Präsidentenduell ist eine Karikatur des Zustands des Westens
Das US-Präsidentenduell ist eine Karikatur des Zustands des Westens

Das US-Präsidentenduell ist eine Karikatur des Zustands des Westens

Vor dem Untergang steht der Stolz, und Hochmut kommt vor dem Fall.(Sprüche 16,18)
Gegen Risiken und Nebenwirkungen des folgenden Artikels empfehle ich Jesus, der stets unser Denken herausfordert und immer noch alle unsere Vorstellungen sprengt.

Viele Historiker haben uns gewarnt. Andere kluge Köpfe ebenfalls. Philosophen, Politiker, Weise. Sie warnten uns vor dem langsamen, aber sicheren Abstieg des Westens. Nicht nur Samuel P. Huntigton, der mit seinem 1996 erschienenen “Kampf der Kulturen” (im Original korrekterweise The Clash of Civilisations and the Remaking of World Order) den Irrglauben ausräumt, irgendwann werde die westliche Lebensweise ohnehin eine Art globale Leitkultur. Der Glaube an die westliche Überlegenheit ist zwar irgendwie verständlich. Jede Zivilisation hat Tendenzen, sich selbst als die bessere, die höhere anzusehen. Doch auch diese Liebe macht blind. Ehe man sich versieht, wird der eigene Tellerrand zur streng bewachten Grenze des Denkens. Lange hielt sich der Westen allein für “zivilisiert” und damit berechtigt, “unkultivierte” und “ungebildete” Kulturen kolonisieren und ausbeuten zu können. Zwar will man heute nicht mehr sehen, was das alles zur Folge hatte. Aber einsehen musste man dann doch, dass sich die Welt nicht so kontrollieren lässt, wie wir es gern gehabt hätten. Obendrein kommt nun die Welt plötzlich zu uns und will von unserem Kuchen essen, der ja zum gewissen Teil sogar mit deren Zutaten gebacken wurde. Heute wird die Dominanz des Westens offen und immer lauter in Frage gestellt. Natürlich wollen wir da unsere Würde verteidigen, völlig verständlich. Doch es kostet uns Kraft. Der gebrochene Zacken aus der Krone lenkt uns ab. Da kann man schon mal vergessen, unsere Infrastruktur instand zu halten. Es ist ja auch leichter, sich mit Altbewährtem zufrieden zu geben, statt massiv in teure neue Entwicklungen und Erfindungen zu investieren. Außer einer zehnspurigen Autobahn vielleicht – so etwas Großartiges macht uns im Rest der Welt keiner so schnell nach, oder?! Die herannahende historisch größte Bedrohung der Menschheit wird dabei wie ein neues Märchen aus der Zukunft behandelt, das im Gegensatz zu Grimms Märchen nicht so recht in unser tolles Selbstbild passen will: Das geht uns doch nichts an, da können wir doch nichts dafür, wir haben doch nichts falsch gemacht. (Trotz aller klimatechnischen Bemühungen und Investitionen stoßen wir weltweit nämlich jährlich einen neuen Rekord Treibhausgase aus. So wird das also nichts – im Gegenteil, die globale Bedrohung wird mit jedem Jahr nur noch monströser.) Also ziehen wir uns zurück ins Schneckenhaus, predigen “Mein Land zuerst!” als Lösung aller Probleme. “Mein Land” gehört natürlich immer zu den Guten der Geschichte, im Gegensatz zu den anderen. Die bisherige Einheit des Westens, z.B. in Form von Bündnissen wie die EU oder die NATO, beginnt daher zu bröseln. Obwohl sie uns jahrzehntelangen Frieden bescherten, der zumindest für Europa historisch einzigartig ist. Die jüngsten politischen Entwicklungen des Westens, wie z.B. die EU-Wahlen, verheißen keine sonnigen Aussichten.

Und dann noch so ein Problem, das keiner lösen will: Die Demographie, diese verflixte Demographie! Seit Jahrzehnten schlägt sie uns eine Schachfigur nach der nächsten aus dem schönen Spiel. Wir werden als Gesellschaft immer älter. Und immer weniger. Und damit, wer hätte das gedacht, immer schwächer, wackeliger, brüchiger. Von wegen “seid fruchtbar und mehret euch!“. Dem Westen fehlt der Nachwuchs, die frischen Hormone. Ganze Branchen suchen dringend Mitarbeiter. Die Renten- und Gesundheitssysteme kommen bald an ihre Grenzen. Die wenigen jungen Leute sehen lauter Generationen selbstherrlicher alte Säcke vor sich. Und Säckinnen, in diesem Fall ist gendern angesagt, denn Frauen werden schließlich noch älter. Alte, die als Gesellschaft stets im Überfluss gelebt, nie gekämpft haben, weder im Krieg noch ums Überleben. Die jungen Leute werden von grauen Besserwissern überflutet und gemaßregelt. Das wird natürlich deren Lebensvorlage, dennoch klagen die Eltern, ihre Kinder seien faul und völlig verweichlicht erzogen worden. Es fehlt also vor allem an Vorbildern der Demut, der Dankbarkeit, der Weisheit. Es fehlt an Leitsternen, die gelernt haben, dass man den Anderen zum Überleben braucht, egal wie anders dieser oder diese auch ist und denkt. Vorbilder, die gelernt haben, sich den unbarmherzigen Realitäten des Lebens mit Barmherzigkeit zu fügen, die dunklen Pfade der menschlichen Erfahrung dennoch mit Dankbarkeit, Glaube und Hoffnung zu wandern. Die Christus als guten Hirten widerspiegeln, und im Messias keinen politischen Heerführer sehen wie einst die Pharisäer. Doch die Wahrheit ist: So mancher 50-jährige klingt heute schon seniler und wirrer, als meine kriegsgeplagten Großeltern es je werden konnten.

Als kleines Detail am Rande werden ganz nebenher auch noch immer mehr Ernten zerstört. Entweder durch zu viel oder durch zu wenig Wasser. Da meine Generation – im Gegensatz zu meinen bereits erwähnten Großeltern zum Beispiel – kein eigenen Kartoffel mehr im Garten anbaut, werden wir also bald zu spüren bekommen, wie manche Nahrungsmittel knapper werden. Doch ich fürchte, dann wird uns das weise Handeln noch viel schwerer fallen, wenn uns obendrein die Kohlenhydrate als Treibstoff des Hirns für einfache Denkaufgaben ausgehen.

Und dann wären da noch die USA. Die sehen sich gerne als die großen Anführer des Westens. Und ja, es stimmt auch. Die USA führen uns auch in all diesen Entwicklungen mit wehenden Flaggen an. Das jüngste Präsidentenduell ist der ultimative Beweis dafür. Wer also mal wissen will, wie die Zukunft des Westens aussieht, und wie sie sich vor allem anfühlt, schaue sich dieses Debakel einmal an.

Herr, erbarme Dich.

Komme Dein Reich.